Im April 1945 erlebt Friedrich Luft das Ende des Krieges: "Als wir vorsichtig die schmale Treppe hinaufstiegen, nach einer kleinen Ewigkeit des Wartens, regnete es. Wir banden uns weiße Fetzen um den Arm. Da stiegen schon zwei Russen über die niedrige Mauer, über die so bedrohlich vor kurzem erst die SS-Männer gekommen waren. Die beiden Sowjetsoldaten in sonderbar langen Mänteln hielten das Gewehr lässig im Anschlag. Einer rauchte und zeigte zu uns herüber. Wir hoben die Arme. Wir zeigten auf unsere weißen Binden. Sie winkten ab, sie lächelten. Der Friede war es noch nicht. Aber der Krieg war hier aus."
Dies ist einer von zahllosen Berichten, die erzählen, wie Berlin die letzten Tage des Krieges und die ersten Jahre des Friedens erlebte. Alle Texte wurden 1948 geschrieben und werden hier nach einem halben Jahrhundert erstmals veröffentlicht -- eine Flaschenpost aus der Vergangenheit.
Schriftsteller, Schauspieler und Kabarettisten, Journalisten, Wissenschaftler und Ärzte, Ingenieure, Straßenbahnschaffner und Arbeiter sind die Autoren der Manuskripte, die in diesem Band zum ersten Mal veröffentlicht werden. Sie alle sind Zeitzeugen, die Berlin in den letzten Tagen des Krieges beschreiben und vom Wiedererwachen der zerstörten Stadt berichten -- von den Tagen und Nächten in Kellern und Bunkern, vom Vordringen der Roten Armee und dem Nachrücken der Alliierten, von Hunger und Kälte, vom Überlebenskampf in einer Stadt aus Schutt und Hoffnungslosigkeit, aber auch vom Willen zum Neuanfang. Was sie erzählen, ist die Realität Berlins und seiner Menschen in jener Zeit zwischen April 1945 und Sommer 1948.