Die deutsche Geschichte muss umgeschrieben werden: Klaus Uhltzscht war es, der die Berliner Mauer zum Einsturz gebracht hat! Dabei ist Klaus eigentlich ein Versager par exellence. Als Sohn eines Stasi-Spitzels und einer Hygieneinspektorin wächst er zwischen Jogginghosen und Dr. Schnabels Aufklärungsbuch auf, bleibt im Sportunterricht auf ewig ein Flachschwimmer. Auch sein großer Traum, als Topagent bei der Stasi zu arbeiten, erfüllt sich leider nicht. Dafür aber wird er, der inzwischen eine Perversionskartei erfunden hat, zum persönlichen Blutspender Erich Honeckers. Jetzt, da auch noch die Mauer durch - man höre und staune - seinen Penis fiel, packt Klaus aus und erzählt von seinem ruhmreichen Leben. Keiner hat bislang frecher und unverkrampfter den kleinbürgerlichen Mief des Ostens gelüftet als Brussig. Ein Lesevergnügen allererster Ordnung!
Der Ich-Erzähler Klaus Uhltzscht behauptet von sich, er allein habe die
Berliner Mauer zu Fall gebracht. Auf die Frage eines Reporters der New
York Times, wie ihm dies gelungen sei, erzählt er seine Lebensgeschichte.
Uhltzscht wird am 20. August 1968, dem Tag des Einmarschs der Warschauer-Pakt-Truppen
in die Tschechoslowakei, geboren. Er wächst im Ostteil Berlins auf, wo
seine Familie in einer Wohnung direkt gegenüber dem Ministerium für Staatssicherheit
lebt. Von seinem Vater wird Klaus für einen Versager gehalten, die hygienebewusste
Mutter tritt seinem erwachenden Interesse am Geschlechtlichen mit einer
lustfeindlichen Tabuisierung entgegen. Dabei interessiert sich Klaus nahezuzu
ausschließlich für seine sexuelle Entwicklung: Die stete Sorge um sein
zu klein geratenes Glied bildet den zentralen Bezugspunkt seiner Existenz.
Als Erwachsener wird Uhltzscht zum gewissenhaften Mitarbeiter der Staatssicherheit
und rettet 1989 Erich Honecker durch eine Bluttransfusion das Leben. Während
der Demonstrationen am 4. November desselben Jahres stürzt er und verletzt
sich an seinem Geschlecht, das sich als Folge der notwendigen Operation
immens vergrößert. Am 9. November ist Uhltzscht dabei, als sich Menschenmassen
vor dem Grenzübergang an der Bornholmer Straße versammeln und dessen Öffnung
fordern. Er beobachtet die vergeblichen Versuche der Anwesenden, die Grenzbeamten
zu überzeugen. Einem plötzlichen Einfall folgend entblößt Uhltzscht sein
Glied und nutzt den Moment ungläubigen Staunens bei den Grenzern, um das
Gitter aufzustoßen. Nicht das Volk bewirkte die Grenzöffnung, sondern allein
Klaus Uhltzscht - so will es der Bericht des Erzählers.