Arne Gabriel fährt einen Küstenfrachter und heuert Nikolaj an, der das Medizinstudium abgebrochen hat. Camilla mietet ein Haus am Strand, um an ihrer Doktorarbeit zu schreiben. Die drei begegnen sich im Sommer am norwegischen Meer. Hinter ihnen liegt die Jugend, vor ihnen der offene Horizont. Sie sehnen sich nach Liebe und suchen nach einem Lebensweg. Bis zum ersten Herbststurm.
«Kennst du dieses Gefühl? Dass du denkst, du hast irgendwann in deinem Leben eine falsche Entscheidung getroffen, und nicht nur kann nichts sie rückgängig machen, sondern du fühlst zusätzlich, dass du denselben Fehler in dieser Situation immer wieder machen wirst?» Das Nachdenken über Entscheidungen und die verschiedenen Lebenswege, die sie mit sich bringen, treibt die Hauptfiguren dieses Buches um. Alle drei sind Mitte zwanzig - am Ende ihrer Jugend - und suchen, wagen etwas, bereuen, feiern und verstecken sich vor dem Leben.
Arne Gabriel ist Besitzer eines aus der Zeit gefallenen Schiffs, mit dem er Güter von A nach B fährt und so knapp genug Geld verdient, um sich über Wasser zu halten. Camilla hat Oslo für den Sommer hinter sich gelassen, um auf einer Insel im norwegischen Meer ihre Doktorarbeit zu schreiben. Dort verliebt sie sich in Arne und seine besonnene, fröhliche Art. Auch Nikolaj sucht Arnes Nähe und die Weite des Meeres, um Ruhe zu finden. Er arbeitet auf dem Schiff mit, nachdem er sein Medizinstudium abgebrochen hat. Auf dem mal stillen, mal stürmischen Wasser treffen widersprüchliche Gefühle aufeinander: Liebe und Angst, Nähe und Distanz, Kontrolle und Ausgeliefertsein.
«Das Meer am Ende der Jugend» ist ein sanftes, in seiner Bildsprache ausdrucksvolles Buch des Tessiner Autors und Übersetzers Ettore Mjölsnes. In klaren, poetischen Sätzen bringt er die Unsicherheiten und Einsamkeiten zur Sprache, die in uns allen leise oder laut schlummern. So schimmern im Lauf der Handlung auch unter Arnes scheinbar sicherer Art Zweifel und die Sehnsucht nach Gemeinschaft durch. Das Buch eignet sich, auch als Klassenlektüre, für ältere Jugendliche, die vor ähnlichen Entscheidungen stehen.
Rezension Buch&Maus 2/25, S. 35, Isabelle Schmid