Wohin man auch blickt, Tiere waren bereits da - geografisch, evolutionär, selbst in den Weiten des Kosmos waren sie dem Menschen stets einen Schritt voraus, als Mittler zwischen Erde und Himmel, als Projektionen ferner Planetenbewohner und schließlich ganz real als Pioniere der Raumfahrt. Noch bevor Juri Gagarin die Erde auf einem orbitalen Flug umrundete und Neil Armstrong seinen Fuß in den Mondstaub setzte, hatten bereits Fruchtfliegen, die Rhesusaffen Albert I-IV und das bis heute berühmteste Weltraumtier, die Hündin Laika, die Tore zum All weit aufgestoßen. Doch in den Visionen des neu entbrannten Space Race fehlt von den Tieren mittlerweile fast jede Spur. Stattdessen: Mikroben und Pflanzen, geschlossene Kreislaufsysteme und technisch optimierte Habitate. Was als Effizienzgewinn erscheint, markiert einen tiefgreifenden Bruch. Denn mit dem Verschwinden der Tiere aus den Zukunftsentwürfen verschiebt sich auch das Bild des Menschen.
Philipp Schönthalers
Tiere im All
ist mehr als eine Geschichte spektakulärer Missionen. Es ist eine faszinierende Erkundung unserer seit jeher andauernden Beziehung zum Animalischen - und eine unbequeme Frage an die Zukunft sowohl im All wie auf Erden: Was geschieht mit unserem Begriff von Menschlichkeit, wenn wir jene Lebewesen verlieren, mit denen wir unseren Ursprung teilen?