Im Paris des 19. Jahrhunderts war es unter Prostituierten üblich, desinteressierten Passanten nachzurufen: »Quel philosophe« - was für ein Philosoph! Das ist zwar kein zwingender Beweis, aber ein beredter Hinweis darauf, dass das Verhältnis zwischen Sexualität und Philosophie seit jeher kompliziert ist. Stefanie Voigt und Markus Köhlerschmidt gehen dieser Beziehung auf den Grund - von Hesiod und den frühen Griechen über Augustinus, Abaelard und de Sade bis zu Freud, Foucault und Judith Butler. Der Bogen spannt sich von Diogenes' Tonne bis zu Sloterdijks Schäumen, von Kants nüchterner Vernunft bis zu Casanovas Galanterie, von Nietzsches Peitschen-Aphorismen bis zu Amia Srinivasans feministischer Kritik. Kaum ein Philosoph, so zeigt sich, kommt um das Thema herum - ob als Gegenstand der Verdrängung, der Theorie oder des gelebten Widerspruchs.
Die Philosophie und der Sex macht mit Anekdoten, Zitaten und einem geschulten Blick für die Ironie der Philosophiegeschichte sichtbar, wie eng das vermeintlich Erhabene und das angeblich Vulgäre miteinander verflochten sind. Ein kluges und kurzweiliges Buch für alle, die die Geschichte des Denkens auch einmal von ihrer sinnlichen Seite entdecken möchten.